Regie: Mark Zurmühle
Choreographie: Ayman Harper
Musikalische Leitung: Albrecht Ziepert
Ort/Jahr: Deutsches Theater in Göttingen, 2011
Sparte: Musiktheater
54 Jahre nach der Uraufführung der WEST SIDE STORY am Broadway ist die Geschichte von Maria und Tony beinahe so berühmt wie Shakespeares ROMEO UND JULIA, jenem Theaterstück, auf dem das Musical thematisch basiert. 1949 trat der Choreograph Jerome Robbins zum ersten Mal mit der Idee einer modernen Version des Shakespeare-Klassikers an Leonard Bernstein heran: die tragischeLiebesgeschichte, erzählt vor dem Hintergrund zweier New Yorker Familien unterschiedlicher Religion. Doch in den 1950er Jahren rückte ein ganz anderes Thema in den Blickpunkt der New Yorker Bevölkerung, dessen Aktualität für das Romeo-Julia-Vorhaben viel besser geeignet zu sein schien: die Auseinandersetzungen rivalisierender Jugendgangs aus verschiedenen Einwanderergruppen.
Diese Idee gibt inhaltlich und musikalisch den entscheidenden Ausschlag und so erreichen die amerikanischen Einwanderungskonflikte durch die WEST SIDE STORY [1], mit der darin verhandelten Feindschaft zwischen den Jets, selbsternannten »Amerikanern«, und den Sharks, Immigranten aus Puerto Rico [2], die Theaterbühne. Die rebellische und junge Atmosphäre dieser Story durchzieht das ganze Stück und so setzte die Uraufführung 1957 [3] musikalisch, choreographisch und textlich Maßstäbe in der Zusammenführung von klassischen und modernen Elementen und spiegelt beispielhaft eine Gesellschaft wieder, die geprägt ist von vielfältigen kulturellen Strömungen.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die städtische Situation des Fünfziger-Jahre-New Yorks eine globale geworden. Weltweit leben wir in Gesellschaften, deren Selbstverständnis durch das wechselnde Nebeneinander unterschiedlicher Werte und Kulturen immer wieder neu definiert werden muss. Auf die Hoffnungen und Enttäuschungen solcher Gemeinschaften, auf die Utopie, die durchaus in ihnen liegen kann, will die DT-Inszenierung der WEST SIDE STORY ihren Fokus legen.




Photos by Isabel Winarsch