Die lächerliche Finsternis

 

Hörspiel von Wolfram Lotz

Ein somalischer Pirat bittet vor dem Hamburger Landgericht um Verständnis für seinen Überfall auf das Frachtschiff MS Taipan und beklagt den Verlust seines Freundes Tofdau. Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch fahren mit einem Patrouillenboot hinein in die Regenwälder Afghanistans. Ihr Auftrag: Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants. Die Reise führt immer tiefer in eine wirr wuchernde Welt, in der koloniale Geschichte und neokolonialistische Realitäten untrennbar miteinander verbunden sind. Immer weiter entfernen sie sich von der sogenannten Zivilisation, hinein in die Wildnis und Dunkelheit. Als der ertrunkene Pirat Tofdau unerwartet in die Geschichte zurückkehrt und in der Finsternis um Hilfe fleht, wird er von Hauptfeldwebel Pellner erschossen. Denn in dieser Erzählung ist kein Platz mehr für einen Fremden.
Skurril und filigran, ironisch und zugleich unendlich traurig beschreibt Wolfram Lotz in seinem Hörspiel Die lächerliche Finsternis unsere Unfähigkeit, das Fremde wirklich verstehen zu können: Das Grauen eines weit entfernten Kriegs, eine andere Kultur, einen anderen Menschen und zuletzt sogar sich selbst.

Director:
Jonas Knecht
Dramaturg:
Anja Horst
Stage design:
Markus Karner
Music:
Nico Feer, Andi Peter
Sound Design:
Albrecht Ziepert

Premiere:
5th of December 2020
Theater St. Gallen

www.theatersg.ch

Biedermann und die Brandstifter

 

„Biedermann und die Brandstifter“ – uraufgeführt 1958 am Schauspielhaus Zürich – ist eine Parabel mit starker politischer Sprengkraft. Max Frisch nimmt darin das brave, gehorsame Bürgertum ins Visier, Gutmenschen, die blind zu Meinungsmacher*innen und im Handumdrehen zu Mitläufer*innen politischer Ideologien werden können. Ein literarisches Mahnmal. Regisseurin Mona Kraushaar sucht mit Blick auf Covid-19 nicht nur eine spannende Ästhetik für diesen Text, sondern klopft ihn mit Humor auf seine brisante Aktualität ab.

Fotos: Cordula Treml

 

Director:
Mona Kraushaar
Dramaturg:
Ina Tartler
Stage & costume design:

Katrin Kersten
Music:
Albrecht Ziepert

Premiere
17th of October 2020
Theater Bozen

www.theater-bozen.it

Waldesruh

 

Der Topos vom Wald als Ort deutscher Romantik wurde über die letzten 200 Jahre unterschiedlichsten Umformungen ausgesetzt: Ob als Inbegriff romantischer Weltflucht, Spießigkeit, militaristischer Uniformität, Ökospiritualität oder Seismograph des Klimawandels – der Wald war und ist Projektionsfläche gesellschaftspolitischer Phänomene.

Regisseurin Anna-Sophie Mahler und ihr Team nehmen Recherchegespräche mit Spezialist*innen und Wissenschaftler*innen zum Ausgangspunkt für ihren zweiteiligen Musiktheaterabend, der einerseits zum Lernen und Erfahren einladen möchte, andererseits Perspektivwechsel herbeiführen wird: So werden sich romantische Chorliteratur und Waldlieder mit Zeltlageratmosphäre verbinden, erfährt das Publikum mehr über Pilzstrukturen und die Kommunikation der Bäume und verwandelt sich die kahle Tischlerei in einen imaginären Wald. Der Abend gipfelt in einer konzentrierten Aufführung von Morton Feldmans »Triadic Memories« – ein außergewöhnliches Stück für Klavier solo. 1981 entstanden, handelt es sich um ein Spätwerk von Feldman, das von extremer Reduktion, Klarheit und Offenheit lebt.

Anna-Sophie Mahler ist sowohl in der Oper als auch im Schauspiel zu Hause. Oftmals erarbeitet sie im Team Abende, die von Recherchematerial ausgehen und bekannte Bühnenstoffe mit den Biografien von »echten Menschen« konfrontieren.

Fotos: Thomas Aurin

Director:
Anna-Sophie Mahler
Dramaturgy:
Lars Gebhardt, Falk Rößler

Stage design:
Sophie Krater
Video design:
Georg  Lendorff
Komposition:
Michael Wilhelmi

Sound director:
Albrecht Ziepert

Singer/Performer/Musician:

Rebecca Pedersen, Philipp Jekal, Thomas Douglas, Falk Rößler, Michael Wilhelmi, Stefan Wirth, Jugendchor der Deutschen Oper Berlin 

Premiere
2th of October 2020
Deutsche Oper Berlin

www.deutscheoperberlin.de

Grenz.land

 

eine audiovisuelle Installation und multimediales Tanzstück im öffentlichen Raum

Grenzen haben Konjunktur. Seit sich Deutschland mit einer steigenden Zahl von Schutzsuchenden konfrontiert sieht, gibt es Tendenzen, sich immer mehr abzuschotten. Das Stück GRENZ.LAND nimmt diese Entwicklung zum Ausgangspunkt, um sich mit dem Phänomen der Grenze in unserer heutigen Gesellschaft zu beschäftigen – nicht nur als geografische Trennung zwischen Nationalstaaten, sondern auch innerhalb Deutschlands. Im Mittelpunkt stehen dabei Aspekte wie Zugehörigkeit und Ausschluss sowie die Frage mit welchen Grenzen sich „Zugezogene“ konfrontiert sehen. In Mecklenburg Vorpommern gibt es viele „Zugezogene“, einige von ihnen sind es vielleicht erst vor kurzem, andere schon vor Jahrzehnten, manche vor Generationen. Im Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern dieser Region entsteht dieses multimediale Tanzstück, begleitet von Kunst- und Videoinstallationen im öffentlichen Raum.

 

Fotos: Peter van Heesen

Ein Projekt von VORPOMMERN TANZT AN – movin’ bröllin gefördert von TANZPAKT Stadt-Land-Bund aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg-Vorpommern, dem Vorpommern-Fonds und unterstützt durch die Hansestadt Stralsund. Das Tanzstück GRENZ.LAND wird unterstützt vom Arts Council Korea.

Choreographie:
Yamila Khodr & Moonsuk Choi (12H Dance)
Tanz:
Yamila Khodr, Moonsuk Choi, Charlie Prince

Visuals/Stage Design:
Erato Tzavara
Objekte:
Anneli Ketterer (KunstAcker/Decrustate)
Sound Design
:

Albrecht Ziepert
Produktionsleitung:
Jones Seitz – gefährliche arbeit

Showing:
1. August 2020
Schloss Bröllin

Premiere:
7. August 2020
Vorplatz Landesmuseum, Greifswald 

www.theater-vorpommern.de

Warten auf Godot

 

Wohin gehen wir? – Nicht weit. – Doch, doch, lass uns weit weggehen von hier!– Wir können nicht. – Warum? – Wir müssen morgen wiederkommen. – Um was zu tun? – Um auf Godot zu warten. – Ach ja.

Samuel Becketts Warten auf Godot ist ein Theaterklassiker des 20. Jahrhunderts, ein komisches Meisterwerk des Absurden. Seit seiner Uraufführung 1953 in Paris versuchen die beiden Clochards Wladimir und Estragon, die Bühne zu verlassen, auf die sie eines Tages geworfen wurden. Doch vorher wollen sie noch das Kommen eines gewissen Herrn Godot abwarten. Sie vertreiben sich die Zeit und erforschen ohne Sinn ihre Existenz; sie bekämpfen sich und können ohne einander nicht sein. Sie warten und glauben an Godot.

Wer ist dieser Godot? Bis heute ist dies eines der wahrscheinlich größten Rätsel der Literaturgeschichte. Beckett soll auf die Frage geantwortet haben: „Wenn ich das wüsste, hätte ich das Stück nicht geschrieben.“ Ist Godot eine Erlöserfigur, die nicht erscheinen will? Oder eine sentimentale Erinnerung, deren Wiederkehr wir herbeisehnen? Wir wissen es nicht. Bis zu dem Tag, an dem Godot kommen wird – wenn er denn kommt. Bis dahin spielen wir ums Überleben oder sterben tausend Bühnentode. „Sag ihm, dass du uns gesehen hast. Du hast uns doch gut gesehen, nicht wahr?“

Director:
Jonas Knecht
Dramaturg:
Roland Koberg
Stage design:
Michael Köpke
Music:
Albrecht Ziepert

Premiere:
24th of April 2020
CANCELLED
Volkstheater Wien

www.volkstheater.at

Leonce und Lena

 

Eine märchenhafte Utopie von einem Land, in dem die Sonne niemals untergeht, Arbeit verboten ist, Religion keinen Einfluss hat und die Sinnlichkeit triumphiert.

Hamburg Journal ∙ NDR Fernsehen

 

Director:
Mona Kraushaar
Stage design:
Katrin Kersten
Costume design:
Nini von Selzam
Music:
Albrecht Ziepert
Music assistance:
Tom Gatza
Ensemble:
Raphael Dwinger, Tom Gatza, Rebecca Gollwitzer, Dirk Ossig, Daniel Schütter, Martin Seifert, Karla Sengteller, Sven Walser, Albrecht Ziepert

Premiere:
12th of March 2020
Ernst Deutsch Theater

www.ernst-deutsch-theater.de

360º

 

Based on their personal migration stories, four dancers deal with topics of new beginnings, uprooting and adaptation processes. Who are we, where do we come from, what do we leave behind? It is a search full of obstacles and questions, between hope and disappointment, memory and dreams, south and north, east and west. Always on the way in between. A constant journey, a life in transit.

It is a game of positioning, of changing directions and relationships. Always new formations that demand a mutual reaction. Come to the silence. Stop. Chopped mechanical movements alternate with fast phrases and slow motion. Everyday movements are transformed into a complex choreographic dance vocabulary, accompanied by the atmospheric electronic soundscape of Albrecht Ziepert.

12 hours
That’s the 12 hour time difference between South Korea and Argentina.

360 °
This is an eternal circle, a constant movement, a wheel that keeps turning.

A 12H Dance production in collaboration with Verdever and the support of Arts Council Korea, Uferstudios Berlin, Auspiciado por el Ministerio de Cultura de la Nación Argentina declarado de interés cultural.

Choreography:
Yamila Khodr & Moonsuk Choi (12H Dance)
Dance:
Uwe Brauns, Sami Similae, Heamin Jung, Jay Park

Light Design:
Benjamin Schälike
Composition & Arrangements:

Albrecht Ziepert

Premiere:
16th of Nov. 2019
Ufer Studios

Der letzte Schnee

 

Eingeladen zum 7. Schweizer Theatertreffen.

Da sitzen zwei Männer am Skilift und können kein Wässerchen trüben. Sie sortieren Bügel, ordnen Billette und lassen ab und an eine Be­merkung zur Lage der Welt fallen. Dabei könnte ihnen todsicher eines die Laune trüben: Es ist Winter und es fällt kein Schnee. Die Skifahrer bleiben aus. Was tun? Weitermachen, sprich erzählen, fantasieren, fabulieren. Vielleicht lässt er sich ja herbeireden, der Schnee, wenn man so tut, als ob nichts wäre.

Arno Camenischs neuster Roman ist charmant und etwas skurril, und er lebt wie Ustrinkata und Fred und Franz, die beide an Konzert Theater Bern uraufgeführt wurden, von seinen liebens­wert-schrulligen Hauptfiguren. Diesmal ist er aber auch hochpolitisch, weil er erzählt, wie eine sich erwärmende Natur unser Leben verändert und zum Verschwinden bringt. Jonas Knecht ist Schauspieldirektor am Theater St. Gallen und experimentiert dort mit Formaten, Texten und Dialekten. Mit der Kontrabassistin Anna Trauffer übersetzt er Camenischs Roman in ein Live-Hörspiel – bis vor unseren Augen die Schneelandschaft entsteht, die wir zwar nicht sehen, aber plötzlich hören können.

Fotos: Annette Boutellier

Director:
Jonas Knecht
Dramaturg:
Michael Gmaj
Stage design:
Markus Karner
Live Music:
Anna Trauffer
Sound design:
Albrecht Ziepert

Premiere:
8th of Nov. 2019
Konzert Theater Bern

www.konzerttheaterbern.ch

BorderLand

 

an audiovisual dance research

BorderLand seeks to explore the phenomenon of (mental) borders and delimitations in our society through the connection of interactive sound and video technology with contemporary dance during a residency at Schloss Bröllin (in Germany). A cooperation of the Berlin company 12H Dance (Yamila Khodr & Moonsuk Choi) with the German composer Albrecht Ziepert and the Greek video artist Erato Tzavara.

Foto: Peter van Heesen

Choreography&Dance:
Yamila Khodr & Moonsuk Choi (12H Dance)
Dance:
Jay Park

Visuals:
Erato Tzavara
Music:
Albrecht Ziepert

1st Showing:
27th of July 2019
Schloss Bröllin

www.broellin.de

Lalka

 

Die traditionellen Werte sind aufgebraucht, der Positivismus hat sich als Utopie erwiesen, der Modernismus hat seine Werkzeuge noch nicht entwickelt. Unter diesen Umständen versuchen die Menschen, ihre Ziele um jeden Preis zu erreichen. Diese Tätigkeit basiert jedoch nicht auf der Reinheit von Absichten und menschlichen Leidenschaften, sondern ist eher wie ein Streit mit einem Verrückten. Hier regiert weder Geld noch Liebe die Welt. Alle Aktionen scheinen einige Illusionen zu unterstützen. Sogar der Staat ist rein illusorisch. Was ist die Illusion? Warum ist es so wertvoll? Warum begehrt sie jeder so sehr, obwohl dieser Wunsch völlig schwächt? Ist dieses phantasmatische Objekt des Verlangens kein süßes Versprechen, Macht zu haben? Kraft, die über die Welt der Werte und zwischenmenschlichen Beziehungen hinausgeht. Autorität, die ihre Stärke aus Täuschung schöpft? Ist nicht das mythische “Metall leichter als Luft”?

Photos by Michał Ramus

Director:
Wojtek Klemm
Dramaturg:
Tomasz Cymerman
Stage design:
Magdalena Gut
Costume design:
Julia Kornacka
Music:
Albrecht Ziepert

Premiere:
17th of May 2019
Teatr im. J. Słowackiego w Krakowie

https://teatrwkrakowie.pl