König Macius der Erste

Für Macius führt kein Weg an der Verantwortung vorbei: Als er zehn Jahre alt ist, stirbt sein Vater und er erbt Krone und Regierungsgeschäfte. Doch statt ihn bei dieser (über-)großen Aufgabe zu unterstützen, erlebt Macius, wie die Erwachsenen versuchen, Kapital aus seiner Schwäche zu ziehen. Die Könige des Nachbarreichs überfallen sein Land und zwingen ihm Krieg auf. Seine Berater nehmen ihn nicht ernst und versuchen, ihn zu manipulieren. Ständig an den Grenzen seiner eigenen Kraft besinnt sich Macius auf die Menschen, denen er vertraut, und auf das, womit er sich auskennt: „Ich will König der Kinder sein, denn ich bin selbst noch klein, da weiß ich besser, was Kinder brauchen.“ Von nun an soll es zwei Parlamente geben, eins für Kinder und eins für Erwachsene. Die Parlamentsdebatten der Kinder sind wild und engagiert, es wird gestritten und argumentiert, Gegensätze werden ausgetragen und Alternativen zur gewohnten Ordnung erfunden. Doch nicht jede Hoffnung erfüllt sich, nicht jede gute Idee kann sich durchsetzen und so einfach ist die Welt der Erwachsenen eben doch nicht von der Welt der Kinder zu trennen.

Dem 1928 von Janusz Korczak geschriebenen und 1971 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichneten Kinderbuch „König Macius der Erste“ gelingt etwas, das großartig und zugleich tragisch ist: Es hat seit seiner Entstehung nichts an Aktualität und Relevanz eingebüßt. Weiterhin beschäftigt Kinder und Erwachsene, wie sie gemeinsam die Dinge aushandeln wollen, wer was bestimmen darf und wie Macht und Verantwortung geteilt werden sollen. 

Photo by Marco Brill

Director:
Wojtek Klemm
Dramaturg:
Ulrike Leßmann
Stage design:
Michal Korchowiec
Costume design:
Julia Kornacka
Music:
Albrecht Ziepert

Actors:
Roland Florstedt, Babette Kuschel, Adrienne Lejko, Alexander Sehan, Barbo Viefhaus, Florian Welsch, Gregor Wolf

 

Premiere:
9th of March 2019
theater junge generation

www.tjg-dresden.de

Hulla Di Bulla

«Regisseur Wojtek Klemm und das grossartige Ensemble spielen ein herrlich komisches Verwirrspiel. ‹Hulla di Bulla› ist eine comedy of errors im besten Sinn.» SRF2 Kultur kompakt

«Wojtek Klemm als Regisseur und Ralf Fiedler als Dramaturg greifen in die Vollen: Sie setzen auf choreografischen Klamauk und auf die Beats des Pentatones-Musikers Albrecht Ziepert. … Die Zwanziger-Jahre-Komödie wird in Zürich zum Stück der Stunde. … Herrliche Hysterie. ‹Hulla di Bulla› ist nicht weniger als eine Satire auf ein von Zeit, Ort, Herkunft und von Geschlecht unabhängiges Gesellschaftsphänomen – auf unsere Korrumpierbarkeit. … Das Neumarkt hat Darsteller auf der Bühne, die für jeden Witz durchs Feuer gehen. Mag der Rauch manchmal auch heisser als das Feuer sein, das hier ist die Inszenierung zum Jahresuntergang.» NZZ

Albrecht Ziepert, Mitbegründer und Pianist der Elektro-Band «Pentatones» hat die Musik für den Abend geschrieben – lyrics by dictators, von Hitler bis Mao.

Regie:
Wojtek Klemm
Dramaturgie:
Ralf Fiedler, Angela Osthoff
Bühne:
Lukas Sander
Kostüme:
Therese Roeder
Musik:
Albrecht Ziepert

Schauspieler:
Simon Brusis, Martin Butzke, Chantal Dubs, Hanna Eichel, Maximilian Friedel, David Martínez Morente, Miro Maurer, Sarah Sandeh

Premiere:
24. Nov. 2018
Theater Neumarkt

 

Die Orestie



»Wojtek Klemm ist nicht gerade unverblümt in seiner Aussage, und er gelangt zu dieser mit einer Inszenierung, die erst einmal mit Energie und Rasanz verblüfft. Alle sind hier Chor, und aus der Masse treten heraus alle Protagonisten der antiken Mordgeschichte. (…) Sie rasen durch die Geschichte, die man letztlich ja kennt; die Chorpassagen sind allesamt großartig, sie bersten schier vor Spielwitz.« Süddeutsche Zeitung

»Dass eine auf Effizienz getrimmte Konfliktmoderation den Kontinent Europa behäbig gemacht, seine Frontlinien verdeckt, nicht aber verwischt hat, gehört zu den starken Gedanken dieses Abends.« Theater heute

»Ein Räderwerk von Opfern und Tätern. Das besitzt Dichte, Intensität, ein hohes Rhythmus-Gefühl bei rascher Beschleunigung – und enorme Suggestion. Text (nach Walter Jens), physischer Einsatz und die oft zynische musikalische Unterlegung (vollkommen konsonantes Schlaflied zum Opfertod Iphigenies, „Freude schöner Götterfunken“ zum finalen winkeladvokatischen Gerichtsfreispruch) machen aus dem vor allen von Wojtek Klemm (Inszenierung) und Efrat Stempler (Körperarbeit) verantworteten Abend ein beziehungsreiches Gesamtkunstwerk.« Augsburger Allgemeine

»Die wuchtige Bühnenpräsenz entsteht durch die Ensembleleistung, durch die Kraft der durchchoreografierten Spannung. Denn der Regisseur lässt sich bei seinen Inszenierungen von seiner Frau unterstützen, der Bewegungsspezialistin Efrat Stempler. Das erspart dröge Monologe und macht die Aktion zu einem lustvollen, körperbetonten Spektakel (…)« DAZ

»Regisseur Wojtek Klemm schuf keine blutrünstige Inszenierung. Er versuchte weitgehend erfolgreich, die antike Tragödie mit modernen Mitteln darzustellen. (…) Wie jeder Richter im abschließenden Prozess sein eigenes Urteil spricht, sind die Besucher*innen ermuntert, sich ihre je individuelle Meinung zu Stück und Inszenierung zu bilden. Starker Applaus zum Schluss.« a3kultur


Fotos: Jan Pieter Fuhr

Regie:
Wojtek Klemm
Dramaturgie:
Lutz Kessler
Bühne & Kostüme:
Katrin Kersten
Choregoraphie:
Efrat Stempler
Musik:
Albrecht Ziepert

Schauspieler:
Anatol Käbisch, Linda Elsner, Gerald Fiedler, Karoline Stegemann, Katharina Rehn, Marlene Hoffmann, Natalie Hünig, Patrick Rupar, Sebastian Baumgart, Thomas Prazak

Premiere:
29. Sept.. 2018
Staatstheater Augsburg

 

Truth Box


«Was Wojtek Klemm hier versucht, ist ziemlich viel … Klemm sucht den Zugang im Stil gelungener Nouveau-Cirque-Werke wie etwa Yoann Bourgeois’ „Celui qui tombe“ über das Parabelhafte (…)» taz. die tageszeitung 17.12.2018

Die Tunesische Autorin Meriam Bousselmi schuf mit ihrer Textsammlung Truth Box eine Art literarischen Beichtstuhl. Geheimnisse, Ungesagtes, Direktes, Versponnenes vermischen sich in diesem Raum zu einer großen Narration.

Johanna Lemke, Tabea Schrenk und Sasha Krohn stellen sich diesen Biographien. Was ist in der kollektiven Erinnerung verankert, was sind meine eigenen Erinnerungen. Ein Abend für zwei Körper, ein Cello und Aerials.

Regie:
Wojtek Klemm
Kostüme:
Therese Röder
Musik:
Tabea Schrenk, Albrecht Ziepert

Darsteller:
Johanna Lemke, Sasha Krohn, Tabea Schrenk

Premiere:
20. April 2018
Dock 11 Berlin

 

1968

An den Münchner Kammerspielen sammelten 1968 SchauspielerInnen im Rahmen von Peter Steins Inszenierung des Peter Weiss-Stücks „Viet Nam Diskurs“ Geld für Waffenspenden für den Viet Cong, was einen Skandal und die baldige Absetzung der Inszenierung durch den Intendanten August Everding zur Folge hatte. 50 Jahre später laden die Kammerspiele Künstler- Innen ein, sich aus gegenwärtiger und subjektiver Perspektive mit Themen und Fragestellungen der bewegten Zeit um 1968 auseinanderzusetzen. Das Architektenbüro RAUMLABOR BERLIN, vor zwei Jahren bereits einmal mit den „Shabbyshabby Apartments“ in München in Erscheinung getreten, wird die Kammer 1 in einen offenen Raum verwandeln, den die eingeladenen Gruppen und RegisseurInnen mit je 15-minütigen Kurzinszenierungen besetzen: die Regisseurin LEONIE BÖHM denkt die Spendensammlung am Ort des Geschehens neu; das Künstler*innenkollektiv HENRIKE IGLESIAS befragt die sexuelle Revolution aus Perspektive der Frauen; der Regisseur ALBERTO VILLAREAL findet die Stunde Null in den Olympischen Spielen in Mexiko; die deutsch-ivorische Gruppe GINTERSDORFER / KLASSEN reaktiviert die aufrührerische Kraft in Frantz Fanons „Die Verdammten dieser Erde“; ANNA-SOPHIE MAHLER nimmt die Filme Alexander Kluges als Ausgangspunkt einer musikalischen Recherche in ihre Familien-geschichte hinein; ELFRIEDE JELINEK ist auf Video bei einer reinszenierten Aktion zu sehen; der polnische Regisseur WOJTEK KLEMM bildorchestriert Dokumente des Widerstands und das junge französische COLLECTIF CATASTROPHE erschafft eine Maschine der Fantasie – so wird am Ende aus vielen unterschiedlichen Beiträgen eine aus der Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft schauende Inszenierung entstehen, die das umstrittene Erbe von 1968 ernst nimmt. Eine Theateraktion, ein Wagnis, ein Experiment, von und mit allen, die Kraft ihrer Kunst die Welt gestalten wollen. Wenn AfD-Vorstand Jörg Meuthen fordert, man müsse „weg vom linken rotgrün verseuchten, leicht versifften 68er-Deutschland“, erwidern die Kammerspiele mit Jean-Paul Sartre: „DIE FANTASIE AN DIE MACHT“. NOW.


Fotos: Julian Baumann

Regie:
Leonie Böhm, Collectif Catastrophe, Gintersdorfer-Klassen, Henrike Iglesias, Wojtek Klemm, Anna-Sophie Mahler, Alberto Villareal
Konzept und Dramaturgie:
Johanna Höhmann, Tarun Kade
Bühne:
raumlaborberlin
Video:
Nicole Marianna Wytyczak
Licht:
Jürgen Tulzer
Musikalische Leitung:
Albrecht Ziepert

Mit:
Münchner Knabenchor, Anna Fries, Arthur Navellou, Blandine Rinkel, Carol Teillard, Gadouko La Star, Gotta Depri, Gro Swantje Kohlhof, Hadrian Bouvier, Hauke Heumann, Jelena Kuljić, Laura Naumann, Marielle Schavan, Michael Wilhelmi, Pablo Brunaud, Pierre Jouan, Sophia Schroth, Stefan Merki, Thomas Hauser, Yuka Yanagihara

Premiere:
8. Feb. 2018
Münchner Kammerspiele

Tigermilch

Die Freundinnen Nini und Jameelah sind unzertrennlich, unbesiegbar und zum ersten Mal verliebt. Der Ernst des Lebens ist ganz weit weg oder wird ignoriert, wie Jameelas drohende Abschiebung. Denn es ist Sommer, Ferienbeginn. Alles ist möglich. Berlin ist Spielplatz und Experimentierfeld. Mit rücksichtsloser Leichtigkeit streifen die zwei 14-jährigen durch die Stadt, klauen bei Pimkie, knutschen im Freibad. Auf dem Schulklo wird der Lieblingscocktail „Tigermilch“ aus Milch, Mariacron und Maracujasaft im Müllermilchbecher gemixt. Dann geht’s mit Ringelstrümpfen ausgerüstet „auf die Kurfürsten“, um an Männern zu üben wie an Fröschen. Das Projekt heißt „Entjungferung“, geübt wird, damit es nicht weh tut, wenn es mal ernst wird. Die pubertäre Dauerparty gleicht einem Tanz am Abgrund und endet abrupt im echten Leben, als beide nachts auf ihrem Kinderspielplatz Zeuginnen eines Mordes werden. Und als der Falsche die Schuld auf sich nimmt, steht plötzlich alles auf dem Spiel – Aufenthaltsgenehmigung, Unschuld, Freundschaft.

Foto: Arno Declair

Regie:
Wojtek Klemm
Choreographie:
Efrat Stempler
Dramaturgie:
Birgit Lengers
Bühne:
Wojtek Klemm
Kostüme:
Anika Budde
Musik:
Albrecht Ziepert

Schauspieler:
Prince Mohammad Arsalan Chughtai, Saron Degineh, Philipp Djokic, Antonie Lawrenz, Laura Roberta Kuhr, Rio Reisener, Emil von Schönfels, Anik Todtenhaupt

Premiere:
10. Jan. 2018
Deutsches Theater

www.deutschestheater.de

Pentatones

Electronic band

Pentatones is a music collective from Berlin, Amsterdam and Leipzig. The Band emerged from the fertile grounds tilled by the artistic scene around Jena-based label Freude am Tanzen and Weimar’s Bauhaus University.

 

Pentatones are:
Delhia de France (Vocals)
Albrecht Ziepert (Keys & Synth)
Hannes Waldschütz (Synth)
Julian Hetzel (Beats)

Releases
Surreality (Lebensfreude Rec)
What If (Lebensfreude Rec)
Glowing EP (Lebensfreude Rec)
Ouroboros Remixed # 01 (Lebensfreude Rec)
Ouroboros
(Lebensfreude Rec)
Karme Game Retouched by Steve Bug
(Poker Flat)
The Beast EP
(Lebensfreude Rec)
Bonfire EP
(Lebensfreude Rec)
Determiner EP
(Freude am Tanzen Rec)
The Devil’s Hand Remixes
(Lebensfreude Rec)
The Devil’s Hand
(Lebensfreude Rec)
Pentatones
(Jawa Rec)

www.facebook.com/pentatones

2121

eine installative Science-Fiction-Performance der MS Schrittmacher in Koproduktion mit dem Saarländischen Staatstheater im Rahmen des zweijährigen Rechercheprojekts “Quo vadis, bellum?”, gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes

Wie sieht eine Zukunft aus, vor der die Menschen durch die Zeit in unsere Gegenwart fliehen? Wie leben diese Menschen in hundert Jahren? Was sind ihre Werte? Um was streiten sie, wie bekriegen sich und auf welche Weise finden sie zusammen?

In 2121 wird das Publikum im Garellyhaus zum Besucher einer Flüchtlingsunterkunft für unsere Nachkommen aus der Zukunft. Ausgestattet mit den wichtigsten Informationen über die Zeitflüchtlinge bewegen sich die Zuschauer*innen frei in der Unterkunft und machen sich ein Bild von unseren Nachkommen, ihrer Situation, ihren Anliegen, Problemen und ihrer Herkunftszeit.

Fantastisch, trashig, berührend und ernsthaft erzählen Schauspieler*innen und Tänzer*innen mit Sprache und Bewegung von einer anderen Welt, die uns trotzdem angeht. Begehbare Bilder wechseln mit Spielszenen und Videosequenzen und offenbaren im hautnahen Kontakt zum Publikum die intime Geschichte einer möglichen Zukunft. Der hundertjährige Weg dorthin ist dabei genauso Thema wie die aktuellen Konflikte der futuristischen Bewohner und die Bedrohungen in ihrer Welt. Frei in ihren Entscheidungen wählen die Zuschauer*innen selbst, mit welchen Aspekten einer aus den Fugen geratenen Nachwelt sie sich wie intensiv auseinandersetzen wollen. Ein Science Fiction der im Kopf der Zuschauer*innen entsteht und auf diese Weise auch die Frage nach unserem Handeln heute stellt.

Photos and Videos by Andreas J. Etter

Director & Choreographer:
Martin Stiefermann
Text & Dramaturg:
Hartmut Schrewe
Dramaturg:
Ursula Thinnes
Stage & Costume Designer:
Anike Sedello
Visuals:
Erato Tzavara
Music:
Albrecht Ziepert

Performer:
Alexandra Christian, Antje Rose, Charlotte Krenz, Christian Higer, Jorge Morro, Nicky Vanoppen, Robert Prinzler, Roman Konieczny, Saskia Petzold, Vanessa Czapla, Walter Schmuck, Mitglieder der Jugendtanzgruppe des SST iMove,
Statisterie des SST

Premiere:
10th of June 2017
Saarländisches Staatstheater

www.staatstheater.saarland

Eine Familie


Für Beverly Weston, einen pensionierten Hochschulprofessor, wird es zunehmend mühsamer, die amerikanische Normalität einer glücklichen Familie aufrechtzuerhalten. Frustriert ertränkt er seinen quälenden Alltag im Alkohol. Als er plötzlich verschwindet, trommelt seine krebskranke, tablettensüchtige Ehefrau Violet die gesamte Familie zusammen. Nicht lange, und das Zusammentreffen gerät zur Schlammschlacht, in der Lebenslügen kollabieren und Geheimnisse platzen.
2008 erhielt Letts für sein Stück, das erkennbar von Grössen wie Tennessee Williams oder Eugene O’Neill beeinflusst ist, unter anderem den Pulitzer- Preis. Eine Familie ist ein fesselnder Psychokrieg der Generationen, der sich stets zwischen Tragik und beklemmender Komik bewegt.


Photos by Iko Freese

Director:
Wojtek Klemm
Dramaturg:
Anja Horst
Stage design:
Magdalena Gut
Costume design:
Julia Kornacka
Music:
Albrecht Ziepert

Actors:
Anna Blumer, Anja Tobler, Birgit Bücker, Bruno Riedl, Catriona Guggenbühl, Christian Hettkamp, Diana Dengler, HansJürg Müller, Jessica Cuna, Katrija Lehmann, Marcus Schäfer, Matthias Albold, Oliver Losehand

Premiere:
2nd of June 2017
Theater St. Gallen

 

Bakchen


Mit wenigen Handgriffen schälen Autor Schrott und Regisseur Zurmühle aus dem klassischen Stoff die aktuelle Tragödie hervor. […] Dass diese raffiniert durchdachte Inszenierung zum großen Theater gerät, verdankt sich dem darstellerischen Niveau. Es ist eindrucksvoll, wie Peter Posniak mit dionysischem Charme sein Publikum umgarnt, großartig, wie Georg Melich die Verunsicherung zur Geltung bringt und eine Freude, Arlen Konietz’ Pentheus beim Abwehrkampf gegen die neue Ideologie zu beobachten. Herausragend aber an diesem so wunderbar berührenden Abend ist eine Figur, deren Interpretation sich jeder Beschreibung entzieht. Wenn Sylvana Schneider als Agaue, Mörder ihres Sohnes Pentheus, dessen geschundenen Körper begutachtet und allmählich begreift, was ihm, was ihr, was uns allen geschehen ist: Dann ist das in dieser Tiefe und Intensität eine einzige Katastrophe. Und damit das pure Theaterglück.
Johannes Bruggaier, Südkurier, 20.02.2017

Diese Frauen! Stark sind sie, jede hat einen Namen. Angeführt von Agaues Schwester Ino (eiskalt: Jana Alexia Rödiger), stürmen sie Dionysos nach ins Gebirge, werden zu Mänaden, Bakchen, und rasend tanzen sie zur verzerrten E-Gitarre (Choreografie Efrat Stempler, Musik Albrecht Ziepert). Mark Zurmühle interpretiert die Vorlage aus einer zeitgenössischen Position heraus. Denn die Menschenfänger sind nach wie vor unter uns, diese Halbgötter wie Dionysos. In weißen Kleidern schwebt er vom Schnürboden herab, lässt sich die Gitarre reichen, lässt sich Zeit mit seinem leisen Lied für Agaue (verzückt: Sylvana Schneider). Dieser Blick! Peter Posniak spielt Dioysos als Rockstar, als unschuldigen Verführer, seine Augen lächeln lüstern.
Dieter Langhart, Thurgauer Zeitung / St. Galler Tagblatt, 20.02.2017

Photos by Ilja Mess

Director:
Mark Zurmühle
Dramaturg:
Henrik Kuhlmann
Stage and costume design:
Eleonore Bircher
Choreography:
Efrat Stempler
Choir:
Silke Schneider
Music:
Albrecht Ziepert

Actors:
Andreas Haase, Arlen Konietz, Georg Melich, Jana Alexia Rödiger, Jörg Dathe, Peter Posniak, Sylvana Schneider
Choir:
Alina Stocklöv, Anna Weiss, Eliana Sachpatzidou, Jonna van der Leeden, Julia Jaworek, Lena Günther, Milda Jasiunaite, Veronika Meschenmoser, Waltraud Graulich, Yvonne Flaig

Premiere:
17th of Feb 2017
Theater Konstanz