Città irreale

Ein theatraler Audiowalk des Theater St.Gallen in der Kunstzone der Lokremise.

Prekäre Privatsituationen, enttäuschte Hoffnungen, geschlossene Vorhänge, Quarantäne, Desaster auf den Intensivstationen dieser Welt, Verschwörungstheorien, Gendergap, klaffende soziale Unterschiede, Revolte, Ausnahmezustände, machtpolitische Verschiebungen
… Die Gesichter hinter Masken und die Körper auf Distanz – der potentielle Feind in Form von sprungbereiten Viren im Anderen … was, wenn wir uns daran gewöhnen? Oder im Gegenteil: was wäre, wenn uns dieser jammerhafte Zustand solidarischer, bewusster, liebevoller werden liesse? Wie wird sich das Zusammenleben auf diesem Planeten verändern?

Zum wiederholten Mal stellt die Corona-Pandemie unsere Gesellschaft weltweit vor ungeheuere Herausforderungen. Die gesundheitlichen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Auswirkungen werden uns noch lange beschäftigen. Zugleich müssen wir als Kulturschaffende neue Formen finden, die dem social distancing gerecht werden, aber auch unserem Auftrag, gesellschaftliche Prozesse aktiv zu begleiten.
So entstand der Gedanke zu einer ungewöhnlichen, spartenübergreifenden Koproduktion des Schauspielensembles mit dem Kunstmuseum Sankt Gallen. In der Ausstellung Città irreale werden raumgreifende und skulpturale Arbeiten aus den Beständen des Kunstmuseums zu sehen sein, die zum Teil begehbar sind und sich auf einen sozialen Kontext beziehen. In dem gleichnamigen Audiowalk können Besucher*innen der Ausstellung über Kopfhörer erleben, wie diese Landschaft vergangener Utopien und Dystopien zu neuem, fiktivem Leben erwacht. Die Kunst-Objekte werden zu Reflexionsräumen einer Città Irreale, einer Stadt, die es nicht gibt, aber geben könnte.

Regie:
Anja Horst, Jonas Knecht
Text:
Maria Ursprung, Julie Paucker
Skulpturen:
Nina Beier, Christoph Büchel, Bob Gramsma, Alex Hanimann, Sara Masüger, Jessica Stockholder
Musik/Sound design:

Albrecht Ziepert
Mit:
Birgit Bücker, Pascale Pfeuti, Tobias Graupner, Christian Hettkamp, Frederik Rauscher, Fabian Müller, Anna Blumer

Premiere
06. März 2021
Kunstmuseum St. Gallen

 

Die lächerliche Finsternis

Hörspiel von Wolfram Lotz

Ein somalischer Pirat bittet vor dem Hamburger Landgericht um Verständnis für seinen Überfall auf das Frachtschiff MS Taipan und beklagt den Verlust seines Freundes Tofdau. Hauptfeldwebel Pellner und der Gefreite Dorsch fahren mit einem Patrouillenboot hinein in die Regenwälder Afghanistans. Ihr Auftrag: Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants. Die Reise führt immer tiefer in eine wirr wuchernde Welt, in der koloniale Geschichte und neokolonialistische Realitäten untrennbar miteinander verbunden sind. Immer weiter entfernen sie sich von der sogenannten Zivilisation, hinein in die Wildnis und Dunkelheit. Als der ertrunkene Pirat Tofdau unerwartet in die Geschichte zurückkehrt und in der Finsternis um Hilfe fleht, wird er von Hauptfeldwebel Pellner erschossen. Denn in dieser Erzählung ist kein Platz mehr für einen Fremden.
Skurril und filigran, ironisch und zugleich unendlich traurig beschreibt Wolfram Lotz in seinem Hörspiel Die lächerliche Finsternis unsere Unfähigkeit, das Fremde wirklich verstehen zu können: Das Grauen eines weit entfernten Kriegs, eine andere Kultur, einen anderen Menschen und zuletzt sogar sich selbst.

Regie:
Jonas Knecht
Dramaturgie:
Anja Horst
Bühne & Kostüme:
Markus Karner
Live Musik:
Nico Feer, Andi Peter, Martin Flüge
Sound Design:
Albrecht Ziepert

Premiere:
9.12.2020
Theater St. Gallen

Biedermann und die Brandstifter

„Biedermann und die Brandstifter“ – uraufgeführt 1958 am Schauspielhaus Zürich – ist eine Parabel mit starker politischer Sprengkraft. Max Frisch nimmt darin das brave, gehorsame Bürgertum ins Visier, Gutmenschen, die blind zu Meinungsmacher*innen und im Handumdrehen zu Mitläufer*innen politischer Ideologien werden können. Ein literarisches Mahnmal. Regisseurin Mona Kraushaar sucht mit Blick auf Covid-19 nicht nur eine spannende Ästhetik für diesen Text, sondern klopft ihn mit Humor auf seine brisante Aktualität ab.

Regie:
Mona Kraushaar
Dramaturgie:
Ina Tartler
Bühne & Kostüme:

Katrin Kersten
Musik:
Albrecht Ziepert

Premiere
17.10.2020
Theater Bozen

 

Waldesruh

Der Topos vom Wald als Ort deutscher Romantik wurde über die letzten 200 Jahre unterschiedlichsten Umformungen ausgesetzt: Ob als Inbegriff romantischer Weltflucht, Spießigkeit, militaristischer Uniformität, Ökospiritualität oder Seismograph des Klimawandels – der Wald war und ist Projektionsfläche gesellschaftspolitischer Phänomene.

Regisseurin Anna-Sophie Mahler und ihr Team nehmen Recherchegespräche mit Spezialist*innen und Wissenschaftler*innen zum Ausgangspunkt für ihren zweiteiligen Musiktheaterabend, der einerseits zum Lernen und Erfahren einladen möchte, andererseits Perspektivwechsel herbeiführen wird: So werden sich romantische Chorliteratur und Waldlieder mit Zeltlageratmosphäre verbinden, erfährt das Publikum mehr über Pilzstrukturen und die Kommunikation der Bäume und verwandelt sich die kahle Tischlerei in einen imaginären Wald. Der Abend gipfelt in einer konzentrierten Aufführung von Morton Feldmans »Triadic Memories« – ein außergewöhnliches Stück für Klavier solo. 1981 entstanden, handelt es sich um ein Spätwerk von Feldman, das von extremer Reduktion, Klarheit und Offenheit lebt.

Anna-Sophie Mahler ist sowohl in der Oper als auch im Schauspiel zu Hause. Oftmals erarbeitet sie im Team Abende, die von Recherchematerial ausgehen und bekannte Bühnenstoffe mit den Biografien von »echten Menschen« konfrontieren.


Fotos: Thomas Aurin

Regie:
Anna-Sophie Mahler
Dramaturgie:
Lars Gebhardt, Falk Rößler

Bühne & Kostüme:
Sophie Krater
Video:
Georg  Lendorff
Komposition:
Michael Wilhelmi

Sound design:
Albrecht Ziepert

Mit: 
Rebecca Pedersen, Philipp Jekal, Thomas Douglas, Falk Rößler, Michael Wilhelmi, Stefan Wirth, Jugendchor der Deutschen Oper Berlin 

Premiere
2.10.2020
Deutsche Oper Berlin

Leonce und Lena

Eine märchenhafte Utopie von einem Land, in dem die Sonne niemals untergeht, Arbeit verboten ist, Religion keinen Einfluss hat und die Sinnlichkeit triumphiert.

Director:
Mona Kraushaar
Stage design:
Katrin Kersten
Costume design:
Nini von Selzam
Music:
Albrecht Ziepert
Music assistance:
Tom Gatza
Ensemble:
Raphael Dwinger, Tom Gatza, Rebecca Gollwitzer, Dirk Ossig, Daniel Schütter, Martin Seifert, Karla Sengteller, Sven Walser, Albrecht Ziepert

Premiere:
12th of March 2020
Ernst Deutsch Theater

 

Der letzte Schnee

Eingeladen zum 7. Schweizer Theatertreffen.

Da sitzen zwei Männer am Skilift und können kein Wässerchen trüben. Sie sortieren Bügel, ordnen Billette und lassen ab und an eine Be­merkung zur Lage der Welt fallen. Dabei könnte ihnen todsicher eines die Laune trüben: Es ist Winter und es fällt kein Schnee. Die Skifahrer bleiben aus. Was tun? Weitermachen, sprich erzählen, fantasieren, fabulieren. Vielleicht lässt er sich ja herbeireden, der Schnee, wenn man so tut, als ob nichts wäre.

Arno Camenischs neuster Roman ist charmant und etwas skurril, und er lebt wie Ustrinkata und Fred und Franz, die beide an Konzert Theater Bern uraufgeführt wurden, von seinen liebens­wert-schrulligen Hauptfiguren. Diesmal ist er aber auch hochpolitisch, weil er erzählt, wie eine sich erwärmende Natur unser Leben verändert und zum Verschwinden bringt. Jonas Knecht ist Schauspieldirektor am Theater St. Gallen und experimentiert dort mit Formaten, Texten und Dialekten. Mit der Kontrabassistin Anna Trauffer übersetzt er Camenischs Roman in ein Live-Hörspiel – bis vor unseren Augen die Schneelandschaft entsteht, die wir zwar nicht sehen, aber plötzlich hören können.


Fotos: Annette Boutellier

Director:
Jonas Knecht
Dramaturg:
Michael Gmaj
Stage design:
Markus Karner
Live Music:
Anna Trauffer
Sound design:
Albrecht Ziepert

Premiere:
8th of Nov. 2019
Konzert Theater Bern

Lalka

Die traditionellen Werte sind aufgebraucht, der Positivismus hat sich als Utopie erwiesen, der Modernismus hat seine Werkzeuge noch nicht entwickelt. Unter diesen Umständen versuchen die Menschen, ihre Ziele um jeden Preis zu erreichen. Diese Tätigkeit basiert jedoch nicht auf der Reinheit von Absichten und menschlichen Leidenschaften, sondern ist eher wie ein Streit mit einem Verrückten. Hier regiert weder Geld noch Liebe die Welt. Alle Aktionen scheinen einige Illusionen zu unterstützen. Sogar der Staat ist rein illusorisch. Was ist die Illusion? Warum ist es so wertvoll? Warum begehrt sie jeder so sehr, obwohl dieser Wunsch völlig schwächt? Ist dieses phantasmatische Objekt des Verlangens kein süßes Versprechen, Macht zu haben? Kraft, die über die Welt der Werte und zwischenmenschlichen Beziehungen hinausgeht. Autorität, die ihre Stärke aus Täuschung schöpft? Ist nicht das mythische “Metall leichter als Luft”?


Photos by Michał Ramus

Director:
Wojtek Klemm
Dramaturg:
Tomasz Cymerman
Stage design:
Magdalena Gut
Costume design:
Julia Kornacka
Music:
Albrecht Ziepert

Premiere:
17th of May 2019
Teatr im. J. Słowackiego w Krakowie

 

No Accident In Paradise

Ambient sound collective

Freude am Tanzen released a Compilation called “REMINISCENCE OF 2013–2018” with our Track Dawka. Check Out: www.freude-am-tanzen.com/fat-zig-024

Atmospheric music for the senses – a world full of sound

The project name of the sound collective is not connected to the debut album of Sven Väth, because Jena in Thuringia has its own ‘paradise’, a huge park in the middle of the city called Paradies. Right here in 2008, No Accident In Paradise played for the first time in form of an ambient live session, coupled with moving images. A stroke of luck, yet still it’s more than just an ‘accident in paradise’.

The culture of relaxation is in modern excursion behavior an almost forgotten refuge. The formerly loved intoxicating chill-out floors, the soul salvations of every house and techno party are lost in the 90’s. Although still, ‘brain dance’ is as well as pure bodily enthusiasm a human dynamic that let us experience music in a sensual way. After the rave party is over, one is searching for a special place of sonic relaxation. That in a nutshell is what No Accident In Paradise does. They build acoustic rooms that make one belief these can be touched.
The extraordinary about No Accident In Paradise is their live arranged and improvised balance between electronic and acoustic sounds, coupled with tone fragments and sound snippets that have a direct relation to the performance venues.

No Accident in Paradise are Stachy [micro:form], Albrecht Ziepert (Pentatones) and Inannia. For very special occasions the visual artist Robert Seidel and his ‘living paintings’ accompany them.
2014 appears their first album „Asymetria“ complemented by a rework from Birds Two Cage (Daniel Stefanik & Juno6), released on Freude am Tanzen. Listening to No Accident In Paradise means either a holiday from life, or life long holiday.

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No Accident In Paradise are:
Inannia
Stachy [micro:form]
Albrecht Ziepert

Releases
Dawka (Freude am Tanzen Rec)
Kolekcja
Asymetria Remiksy II
(Freude am Tanzen Rec)
Asymetria Remiksy I
(Freude am Tanzen Rec)
Asymetria
(Freude am Tanzen Rec)
Schornstein Milchreis
(Freude am Tanzen Rec)
Kmos (Freude am Tanzen Rec)
Exit9 (Freude am Tanzen Rec)
ICE (Silent Season)

noaccidentinparadise.com

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Hulla Di Bulla

«Regisseur Wojtek Klemm und das grossartige Ensemble spielen ein herrlich komisches Verwirrspiel. ‹Hulla di Bulla› ist eine comedy of errors im besten Sinn.» SRF2 Kultur kompakt

«Wojtek Klemm als Regisseur und Ralf Fiedler als Dramaturg greifen in die Vollen: Sie setzen auf choreografischen Klamauk und auf die Beats des Pentatones-Musikers Albrecht Ziepert. … Die Zwanziger-Jahre-Komödie wird in Zürich zum Stück der Stunde. … Herrliche Hysterie. ‹Hulla di Bulla› ist nicht weniger als eine Satire auf ein von Zeit, Ort, Herkunft und von Geschlecht unabhängiges Gesellschaftsphänomen – auf unsere Korrumpierbarkeit. … Das Neumarkt hat Darsteller auf der Bühne, die für jeden Witz durchs Feuer gehen. Mag der Rauch manchmal auch heisser als das Feuer sein, das hier ist die Inszenierung zum Jahresuntergang.» NZZ

Albrecht Ziepert, Mitbegründer und Pianist der Elektro-Band «Pentatones» hat die Musik für den Abend geschrieben – lyrics by dictators, von Hitler bis Mao.

Regie:
Wojtek Klemm
Dramaturgie:
Ralf Fiedler, Angela Osthoff
Bühne:
Lukas Sander
Kostüme:
Therese Roeder
Musik:
Albrecht Ziepert

Schauspieler:
Simon Brusis, Martin Butzke, Chantal Dubs, Hanna Eichel, Maximilian Friedel, David Martínez Morente, Miro Maurer, Sarah Sandeh

Premiere:
24. Nov. 2018
Theater Neumarkt

 

Die Orestie



»Wojtek Klemm ist nicht gerade unverblümt in seiner Aussage, und er gelangt zu dieser mit einer Inszenierung, die erst einmal mit Energie und Rasanz verblüfft. Alle sind hier Chor, und aus der Masse treten heraus alle Protagonisten der antiken Mordgeschichte. (…) Sie rasen durch die Geschichte, die man letztlich ja kennt; die Chorpassagen sind allesamt großartig, sie bersten schier vor Spielwitz.« Süddeutsche Zeitung

»Dass eine auf Effizienz getrimmte Konfliktmoderation den Kontinent Europa behäbig gemacht, seine Frontlinien verdeckt, nicht aber verwischt hat, gehört zu den starken Gedanken dieses Abends.« Theater heute

»Ein Räderwerk von Opfern und Tätern. Das besitzt Dichte, Intensität, ein hohes Rhythmus-Gefühl bei rascher Beschleunigung – und enorme Suggestion. Text (nach Walter Jens), physischer Einsatz und die oft zynische musikalische Unterlegung (vollkommen konsonantes Schlaflied zum Opfertod Iphigenies, „Freude schöner Götterfunken“ zum finalen winkeladvokatischen Gerichtsfreispruch) machen aus dem vor allen von Wojtek Klemm (Inszenierung) und Efrat Stempler (Körperarbeit) verantworteten Abend ein beziehungsreiches Gesamtkunstwerk.« Augsburger Allgemeine

»Die wuchtige Bühnenpräsenz entsteht durch die Ensembleleistung, durch die Kraft der durchchoreografierten Spannung. Denn der Regisseur lässt sich bei seinen Inszenierungen von seiner Frau unterstützen, der Bewegungsspezialistin Efrat Stempler. Das erspart dröge Monologe und macht die Aktion zu einem lustvollen, körperbetonten Spektakel (…)« DAZ

»Regisseur Wojtek Klemm schuf keine blutrünstige Inszenierung. Er versuchte weitgehend erfolgreich, die antike Tragödie mit modernen Mitteln darzustellen. (…) Wie jeder Richter im abschließenden Prozess sein eigenes Urteil spricht, sind die Besucher*innen ermuntert, sich ihre je individuelle Meinung zu Stück und Inszenierung zu bilden. Starker Applaus zum Schluss.« a3kultur


Fotos: Jan Pieter Fuhr

Regie:
Wojtek Klemm
Dramaturgie:
Lutz Kessler
Bühne & Kostüme:
Katrin Kersten
Choregoraphie:
Efrat Stempler
Musik:
Albrecht Ziepert

Schauspieler:
Anatol Käbisch, Linda Elsner, Gerald Fiedler, Karoline Stegemann, Katharina Rehn, Marlene Hoffmann, Natalie Hünig, Patrick Rupar, Sebastian Baumgart, Thomas Prazak

Premiere:
29. Sept.. 2018
Staatstheater Augsburg